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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : (ehemalige) Psychatrie-Patienten bzw. Ärzte gesucht


Feuerpfote
2016-01-24, 12:50:28
moin,

ich arbeite gerade an meinem zweiten Filmscript (wird nie verfilmt, keine Sorge :freak:) und ich hätte da ein paar Fragen an Betroffene bzgl. des Psychatriealltags und Anekdoten.

Wer Zeit und Interesse hat bitte hier posten oder mich mittels PM anschreiben! Vielen Dank!

Mosher
2016-01-27, 20:00:22
Ist schon länger her:

Ich war im BKH zwecks Entgiftung.
Auf dem Weg zur Bibliothek auf dem Klinikgelände traf ich eine Frau aus der berühmt-berüchtigten Station 1C, sie war allerdings schon auf der offenen Station und wirkte einigermaßen klar. Jedenfalls kamen wir ins Gespräch (Bücher, Literatur, Musik) und ich versprach, sie auf der Station besuchen zu kommen.
Tat ich auch.

Im Aufenthaltsraum spielten sich die geilsten Szenen ab:


Szene 1:
Ein dicklicher Typ mit Hundegesicht sitzt mitten im Raum am Boden im Schneidersitz und kreiselt mit seiner Hüfte herum. Vor ihm ein Pappbecher und ein Aschenbecher. Er wirkt freundlich, etwas doof und harmlos.
Eine dünne Frau mit roten Haaren trinkt geräuschvoll Cola aus einer Plastikflasche und lässt einen leisen Rülpser.
Der "freundliche" Mann in der Mitte springt auf, kickt der Frau die Flasche aus der Hand, zieht eine Plastikgabel aus der weißen Jogginghose ohne Taschen und stößt Verwünschungen, die ich noch zuvor gehört hatte, aus.
2 Pfleger stürmen rein und ziehen den Typen aus dem Raum.

Szene 2:
Ich sitze wieder im Aufenthaltsraum der Station 1C ("meine" war die 16C). Meine Bekannte ist gerade zu irgendeiner Untersuchung, ich bin allein unter den "Freaks".
Eine Frau um die 40 rutscht immer näher zu mir und hält mir ein Tagebuch hin. Ich lese ein paar Seiten und sehe sie einfach nur an. Die Einträge in dem Tagebuch klingen wie von einer 12-jährigen geschrieben, die sich in den unscheinbarsten und normalsten Mann der Welt verliebt hat.
Sie krempelt ihr Hosenbein hoch und sagt "Siehst du, wir haben viel gemeinsam. Meine Beine sind so behaart wie deine". Sie hatte recht in diesem Punkt.

Szene 3:
Wieder Aufenthaltsraum 1C. Eine alte Frau um die 70 kommt in Begleitung zweier Pfleger hinein. Sie fasst mir ins Gesicht und wiederholt ca. 10 mal "Pederle, Pederle, da ist ja mein Pederle". Ich schaue verdutzt durch sie hindurch, suche Blickkontakt zu den Pflegern. Diese zucken mit den Achseln und schieben die Frau weiter. Beim nächsten Mann in meinem Alter (damals 19) wiederholt sich die Szene. "Pederle, Pederle"

Szene 4:
Zombies, Zombies überall. Ich brachte meiner Bekannten ein paar Sachen vorbei, die ich ihr besorgt hatte. Dazu durfte ich eine Tür weiter als sonst in die Station kommen und sah, was sich hinter den Kulissen abspielte.
Es war nicht wirklich viel. Hauptsächlich Menschen, die sich klischeehaft wie Zombies auf Haldol o.ä. durch die Gänge schlürften und keinerlei Notiz von mir zu nehmen schienen.

Surrogat
2016-01-27, 20:25:36
Szene 4:
Zombies, Zombies überall. Ich brachte meiner Bekannten ein paar Sachen vorbei, die ich ihr besorgt hatte. Dazu durfte ich eine Tür weiter als sonst in die Station kommen und sah, was sich hinter den Kulissen abspielte.
Es war nicht wirklich viel. Hauptsächlich Menschen, die sich klischeehaft wie Zombies auf Haldol o.ä. durch die Gänge schlürften und keinerlei Notiz von mir zu nehmen schienen.

Hmm das würde auch wunderbar wahlweise zu einer x-beliebigen U-Bahnstation oder unserer Kantine um die Mittagszeit passen ;D

@Topic: war zwar kein Insasse, aber öfter zu Besuch dort.
Szenerie: Die geschlossene Abteilung der "Nervenklinik die so viel Platz hat wie alle Einkaufszentren der Stadt" <---- Originaltext des Goldenen Reiters von Joachim Witt. Konkret gemeint ist damit die Nervenklinik aka Rheinisches Landeskrankenhaus Düsseldorf Gerresheim.

Alte Frau, ca. 60 Jahre wandert den Gang zu den Stationen hoch und runter, zieht ihre kreise immer enger rund um einen Telefonapparat der im Gang an der Wand hängt. Bei näherem hinsehen erkenne ich das die Frau gar nicht so alt ist und eher Anfang 40 denn 60, lediglich ihre zerwühlten und ungepflegten Haare, sowie ihre gebrochene Haltung lassen sie älter erscheinen. Sie murmelt die ganze zeit vor sich hin, ich versuche mich soweit auf ihr gemurmel zu konzentrieren, das ich erkennen kann was sie sagt. Scheinbar wartet sie auf einen Anruf, von wem weiss ich nicht da sie es nicht sagt. Ich höre nur immer wieder sowas wie "sie müssen doch bald anrufen, es kann doch nicht mehr lange dauern" und ähnliche Worte. Ich hege den verdacht das die Frau schon seit Tagen oder Wochen auf den Anruf wartet, der eventuell nie kommen wird.
Wenn ich mir die Pfleger bzw. das personal so anschaue, dann erkenne ich ansatzweise eine ähnlich gebrochene Haltung wie bei vielen der Patienten dort, nur das die Pfleger sich natürlich nicht so gehen lassen und es nicht so offen zeigen, dennoch kommt es mir so vor als hätte die Haltung der patienten irgendwie auf die Pfleger "abgefärbt". Ob man wohl so wird wenn man nur lange genug Kontakt mit solchen menschen hat?

Surrogat
2016-01-27, 20:30:57
Ergänzung: Ich weiss noch wie irritiert ich beim ersten besuch war, wahrscheinlich weil ich mehr "Action" erwartet hatte. In meiner Annahme ging ich davon aus das in der "Klappse" ständig Ärzte auf und ab rennen und versuchen die Patienten zu "heilen". Tatsächlich bestehen 99,9% der Zeit dort nur aus rumsitzen und warten. In einer Art Sammelraum hing ein TV an der Wand, einige Patienten hatten sich die Stühle davor gestellt und liessen sich von dem programm berieseln, ich schätze mal es war ohnehin egal was gerade lief, Hauptsache es bewegte sich in irgendeiner Art. Ich fragte mich ob die Patienten grundsätzlich sediert wurden oder ob diese Trägheit ein zeichen ihrer Krankheit war.

Mosher
2016-01-27, 20:32:39
Ich habe mich schon länger und öfter als mir lieb ist, auf solchen Stationen aufgehalten (Meine eigenen Geschichten will ich nicht mal in diesem Thread ausbreiten) und habe beobachtet, dass erstaunlich viele Pfleger auf psychiatrischen Stationen

a) Raucher sind
b) einen eher derben Sinn für Humor haben
c) oft Bart tragen
d) Laute Musik in ihren Autos hören

schokofan
2016-01-27, 20:34:30
Tatsächlcih bestehen 99,9% der Zeit dort nur aus rumsitzen und warten.

Rauchen. Ich war vor inzwischen 15 Jahren mal öfter als Begleitung/Besucher in so einer Einrichtung, und was mir dauerhaft in Erinnerung geblieben ist war das Gerauche. Ich frage mich wie das heute wohl ist, angesichts der Gesetzeslage, aber mich würde deswegen jede Psychiatrie Darstellung ohne allgegenwärtige Zigaretten irgendwie stören.

Surrogat
2016-01-27, 20:35:48
Rauchen. Ich war vor inzwischen 15 Jahren mal öfter als Begleitung/Besucher in so einer Einrichtung, und was mir dauerhaft in Erinnerung geblieben ist war das Gerauche. Ich frage mich wie das heute wohl ist, angesichts der Gesetzeslage, aber mich würde deswegen jede Psychiatrie Darstellung ohne allgegenwärtige Zigaretten irgendwie stören.

Nun ja, rauchen und warten schliesst sich ja nicht aus. Tatsächlich haben seinerzeit viele da geraucht, ja stimmt. Ist aber sicher schon 25 jahre her

Cerise
2016-01-27, 21:04:45
Rauchen. Ich war vor inzwischen 15 Jahren mal öfter als Begleitung/Besucher in so einer Einrichtung, und was mir dauerhaft in Erinnerung geblieben ist war das Gerauche. Ich frage mich wie das heute wohl ist, angesichts der Gesetzeslage, aber mich würde deswegen jede Psychiatrie Darstellung ohne allgegenwärtige Zigaretten irgendwie stören.
Ist immer noch so, findet halt alles in Raucherzimmern statt.

LoTto
2016-01-28, 04:23:16
Das mit dem Rauchen kann ich bestätigen. Ansonsten weiss ich aus 25 Jahren Psychiatrieerfahrung (ich hab da mehr als 5 Jahre verbracht in der Zeit), dass es unerwünscht ist, von Patienten zu erzählen. Das wird nicht gern gesehen. Man verhält sich dort oft sehr sonderbar. Das grenzt oft an Selbstentwürdigung. Bei mir ist es Schizophrenie. Ich kann daher nichts erzählen. Wenn jemand sich in meinen Geschichten erkennt(sehr unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich), kann ich Ärger bekommen und ich möchte auch nichts schreiben.

mfg.

Palpatin
2016-01-28, 12:56:41
Freundin arbeitet in einer offenen einrichtung für psychisch kranke und da rauchen fast alle, Personal und Bewohner.

Dicker Igel
2016-01-28, 13:48:58
(wird nie verfilmt, keine Sorge :freak:)
Imo falsche Einstellung.

Döner-Ente
2016-01-28, 14:09:51
Hmm das würde auch wunderbar wahlweise zu einer x-beliebigen U-Bahnstation oder unserer Kantine um die Mittagszeit passen ;D


Ich musste mal beruflich in eine große psychiatrische Einrichtung auf dem Land mit Riesengrundstück...morgens mit Chef hingefahren, Nebel mit Sichweite unter 30 Meter und auf dem Grundstück auf dem Autoweg zum Hauptgebäude wankten dann morgens die grad erwachten Zombies aus dem Nebel hervor, da hätte man echt nen Horrorfilm drehen können.

Ansonsten 8 Wochen in der geschlossenen Aufnahme eines LKH´s(im Rahmen der Krankenpflegeausbildung damals), Erinnerungsstückchen:

- Straftäter, die einen auf schuldunfähig machen wollten vs. wirklich psychisch Kranke 1:0,
- Erstaunen, wieviel mg Valium jemand vertragen kann, der sei 20 Jahren dran gewöhnt ist,
- Tipp vom Pflegepersonal: Tischtennis mit Patienten immer kurz nachm Essen spielen, dann sind die von den Psychopharmaka teilweise so verlangsamt, dass man garantiert gewinnt,
- so Psychospielchen auf beiden Seiten:
Patient sammelt extra eine von diesen kleinen abgepackten Butterrationen, bis das Verfallsdatum aubgelaufen ist, um sich dann darüber beschweren zu können, dass ihm verdorbenes Essen serviert wird - Pfleger "nimmt die Beschwerde ernst", nimmt das Beweisstück an sich und verspricht, das im Rahmen der abendlichen Gesprächsrunde zu thematisieren.
Nachfrage seitens des Patienten abends "Und was is nu mit meiner Butter ?" Pfleger (mit unschuldigem Gesichtsausdruck) "Was für eine Butter, ich weiss von nichts ?"

Shaft
2016-01-28, 14:48:04
Heute vor genau einen Jahr längeren Aufenthalt im BKH.

Grund: Depressionen, Schlafstörung und letztendlich Suizidversuch, hatte mich letztendlich selbst eingewiesen.

Als suizidal gefährdet kam ich nicht um die geschlossen herum (2 Wochen).

War eine interessante Erfahrung, auf die man wiederum auch verzichten kann.

Geschlossene ist schon eine harte Erfahrung, was habe ich gelernt.

-geschlossene ist Erstaufnahmestation, wo man erst einmal auf Medikamente eingestellt wird, inklusive Nebenwirkung

-bedeutet letztendlich, Beschreibung Zombis ist da recht zutreffend.

-andere sind dagegen sehr aktiv, euphorisch

-viele auch sehr verwirrt, entweder durch Medikamente und falsche Medikamente (Patienten werden auf Medikamente eingestellt)

-die meiste Zeit verbringt man wirklich mit nichts tun, rauchen, es gab auch Brettspiele und Puzzle zur Beschäftigung, Highlight ist da die wöchentliche Visite oder der einstündige begleiteter Ausgang.

-andere Patienten sind voll mit Medis, das sie Tagsüber nur schlafen.

Dennoch ist alles sehr locker, man wird nicht weggesperrt wie man es aus Filmen kennt, es sind normale Krankenzimmer, Mehrbettzimmer. Man hat soweit möglich alle Freiheiten, auch bei der Kleiderwahl.

Nach einiger Zeit hat man auch Möglichkeiten wie Krafttraining, Freibad und
diverse weitere Angebote zu nutzen.

Nach diesen zwei Wochen kam ich auf die offene Station, man hatte mehr Freiheiten, Stadtausgänge, unbegrenzter Ausgang.

Je nach Station und gesundheitlichen, psychischen Erkrankung, wird dann die Therapie angepasst, ggf. nochmal Medikamente eingestellt, verschiedene Medis getestet, je nachdem wie man darauf anspricht.

Eine Therapie dauert in der Regel 3-6 Monate, ggfs länger.

Vom Umfeld her, lernt man eigentlich zum größten Teil völlig normale Menschen kennen, den man es gar nicht ansehen kann, das sie Probleme haben.

Akademiker, gutverdiener, erfolgreiche Menschen, wiederum auch sozialschwache, geringverdiener usw.

Andere Seite gibt es natürlich auch Patienten, die sich zum Beispiel auch selbst verletzen, schneiden usw.

Bevor ich es vergesse, Gummizellen gibt es nicht. Es gibt Einzelzimmer, wo auffallende isoliert werden, ggf. auch fixiert werden im extremen Fall auch sediert werden. Das bezieht sich auf sehr extreme Fälle.

Sodale, das wäre erstmal was mir so aus dem Stehgreif einfällt.

Für weiteren Fragen, gerne fragen.

Philipus II
2016-01-28, 23:37:27
Sind Berichte von Besuchern auch hilfreich?

Webler
2016-01-30, 00:07:18
Wird man in heutigen Psychiatrien bzw. Geschlossenen eigentlich noch richtig gefesselt und geknebelt, so wie das früher bei "uneinsichtigen" Patienten üblich war?

McDulcolax
2016-01-30, 01:12:20
Wird man in heutigen Psychiatrien bzw. Geschlossenen eigentlich noch richtig gefesselt und geknebelt, so wie das früher bei "uneinsichtigen" Patienten üblich war?

natürlich, auch brandeisen sind noch üblich

Webler
2016-01-30, 02:02:27
natürlich, auch brandeisen sind noch üblich

war das früher üblich? :freak:

(EDIT: Naja, wenn es so wäre, dann wäre das ja 'ne gute Möglichkeit für BDSM-Fans mal auf ihre Kosten zu kommen. Einfach mal den Verrückten schauspielern und der kostenfreie BDSM-Trip ist garantiert ^^)

EPIC_FAIL
2016-01-30, 02:21:46
Passt halb rein:

In meiner Schule war es üblich, dass alle in der zehnten Klasse für mindestens 2 Wochen in einem sozialen Beruf ein Praktikum absolvieren mussten. Also bin ich dann mal ins Krankenhaus gegangen. Nunja, die Schwestern wiesen mich darauf hin, dass in Zimmer X eine psysisch labile Person mit Selbstmordtendenzen (1-2 Versuche) liegen würde. Am zweiten Tag ging ich so um 7 ins Zimmer des Patienten, um Frühstück zu verteilen. Das Zimmer war vollkommen leer, allerdings war das Fenster vollständig geöffnet. Also ging ich zum Fenster und hab nach unten geschaut. Es lag zum Glück keiner unten (4 Stock), in dem Moment ging schon die Scheisshaustür auf.

Im Nachhinein ein Brüller, mit 16 Jahren nicht gerade der Hit.

Shaft
2016-01-30, 13:49:34
Wird man in heutigen Psychiatrien bzw. Geschlossenen eigentlich noch richtig gefesselt und geknebelt, so wie das früher bei "uneinsichtigen" Patienten üblich war?


Ja, im Extrem Fall, also da muss schon einiges passiert sein ohne Grund passiert das nicht, wie Angriff auf Pfleger usw.

Feuerpfote
2016-01-30, 20:02:13
@Phillipus: Ja! Jede Kleinigkeit kann helfen :)
@Dicker Igel: auf jedes 100. Script wird eine Option aufgenommen. Und von diesen wird gerade mal jedes 100. verfilmt.

Nikstar
2016-01-30, 20:07:57
Ist schon länger her:
snip.
Szene 5:
Ich war bei einem Freund im Krankenhaus, in der psychiatrie Abteilung besuchen, von der er übrigens zweimal "ausbrechen" konnte, obwohl die Tür mechanisch gesichert ist...
Wir redeten, er wurde plötzlich laut, ich glaube er bekam ziemlich seltsame Medikamente, ich ging wieder, da ich das für besser hielt.
Bevor er in die Psychiatrie im Krankenhaus kam, war er bei mir zu besuch und drehte bei mir alle Uhren um, seltsamerweise konnte ich genau verstehen wieso, er hatte einen Todesfall in der Familie und die Uhr erinnerte ihn wohl immer daran, das wir alle irgendwann sterben und die Uhrzeit einem das immer und immer wieder klar macht.
Eine Freundin erzählte mir als sie auf dem Weg zu ihm war, traf sie im Flur der Psychiatrie einen Mann, dieser entschuldigte sich bei ihr, sie fragte wofür er sich denn entschuldigt?
Er sagte nur, er wollte sie das letzte Mal umbringen und es tut ihn leid dass er das vor hatte.

Unioner86
2016-02-02, 15:38:08
Also ich finde den Thread moralisch sehr fragwürdig. All diese sogenannten Geschichten bestätigen das "schräge" Bild in unserer doch so anscheinend aufgeklärten Gesellschaft wenn es um Darstellung von etwaigen Zuständen in der Psychiatrie geht. Fehlt nur noch die Geschichte mit den Leuten die den ganzen Tag auf dem Gang mit Teddybären im Arm stehen, oder sogenannte Gummizellen bzw. Fixierungen. Das ist schon sehr lange nicht mehr so, aber leider denken die Leute das es so in einer Psychiatrie zugeht. Einzig Shaft sein Bericht stellt den Alltag sehr gut da. Ich verstehe auch nicht so recht die Intention des TE , was er damit bezwecken will?! Es zielt doch eher auf die Belustigung auf Kosten der Patienten ab, oder sehr ich das falsch?

Lyka
2016-02-02, 15:42:38
alternativ hast du das Threadstarterposting nicht gelesen? Recherche für ein Projekt.

Anekdoten beschreiben nicht alles. Nur extreme Beispiele. Das wäre dasselbe, als ob du einen Polizisten nach einigen Erlebnissen fragst und er wird dir dann nicht erzählen, wie er Verkehrskontrollen gemacht hat. 12 Stunden lang. 35 Autos angehalten. Ende.

Mosher
2016-02-02, 16:44:23
Also ich finde den Thread moralisch sehr fragwürdig. All diese sogenannten Geschichten bestätigen das "schräge" Bild in unserer doch so anscheinend aufgeklärten Gesellschaft wenn es um Darstellung von etwaigen Zuständen in der Psychiatrie geht. Fehlt nur noch die Geschichte mit den Leuten die den ganzen Tag auf dem Gang mit Teddybären im Arm stehen, oder sogenannte Gummizellen bzw. Fixierungen. Das ist schon sehr lange nicht mehr so, aber leider denken die Leute das es so in einer Psychiatrie zugeht. Einzig Shaft sein Bericht stellt den Alltag sehr gut da. Ich verstehe auch nicht so recht die Intention des TE , was er damit bezwecken will?! Es zielt doch eher auf die Belustigung auf Kosten der Patienten ab, oder sehr ich das falsch?

Hä?
Er fragt doch explizit nach ERFAHRUNGSberichten, nicht nach "Habe ich mal gehört, dass es dort so und so zugeht".

Bezweifelst du jetzt den Wahrheitsgehalt der hier erzählten Geschichten, oder beschwerst du dich darüber, dass nur einzelne Aspekte herausgegriffen werden?

Feuerpfote
2016-02-02, 20:29:29
ich mag keine billige Klamotte schreiben, wo die Patienten lächerlich wirken und es der Leser so nie glauben würde. Die ganze Story als Rahmen für die Selbstfindung der Heldin dienen. Das Bild soll glaubwürdig, aber nicht übertrieben realistisch sein. In dieser Welt wird auch mit "Schmeckels" bezahlt..

Simon Moon
2016-02-02, 20:36:12
Ich würd ja sagen in der Psychiatrie landen die Normalen. Also die, welche den gesellschaftlichen Bullshit Filter abgeschalten haben und einfach mal so sind, wie sie eben sind. Aber da gibts auch ganz verschiedene Stationen. Was im allgemeinen als "Psychiatrie" verstanden wird, nennt sich heute eher "Akut Station" - also für Leute die im aktuellen Zustand nicht mehr alleine zurecht kommen. Das trifft von der Drogenpsychose, über Schizophrenie, zu Depression so ziemlich alles. Entsprechend unterhaltsam sind solche Stationen auch.

Ich hab selbst vor einiger Zeit mal eine grundlegende Veränderung gebraucht - also bin ich erst mal auf der Akut gelandet. Dort hatte ich dann echt nur Irre so wie man es aus "Einer flog über das Kukuksnest" kennt (Der Film gehört notabene zur Pflichtlektüre dort... :ugly:). Und ernsthaft, die hatten alle gröbere Macken... Danach kam ich auf die Psychotherapie Station und dort lernte ich nur normale Menschen kennen, welche einfach Probleme mit unserer Assi-Gesellschaft hatten.

Kein Wunder sucht man irgendwann diesen "Ausweg" wenn man nur mit geisteskranken Soziopathen zu tun hat. Die Zeit dort war eigentlich wirklich angenehm... wären da keine "Pfleger" gewesen, wärs sogar wirklich cool gewesen... einfach mal sich selbst sein, den anderen akzeptieren und es gut miteinander haben. Wow... wirklich so schwer?

Mosher
2016-02-02, 21:15:39
Ich würd ja sagen in der Psychiatrie landen die Normalen. Also die, welche den gesellschaftlichen Bullshit Filter abgeschalten haben und einfach mal so sind, wie sie eben sind. Aber da gibts auch ganz verschiedene Stationen. Was im allgemeinen als "Psychiatrie" verstanden wird, nennt sich heute eher "Akut Station" - also für Leute die im aktuellen Zustand nicht mehr alleine zurecht kommen. Das trifft von der Drogenpsychose, über Schizophrenie, zu Depression so ziemlich alles. Entsprechend unterhaltsam sind solche Stationen auch.

Ich hab selbst vor einiger Zeit mal eine grundlegende Veränderung gebraucht - also bin ich erst mal auf der Akut gelandet. Dort hatte ich dann echt nur Irre so wie man es aus "Einer flog über das Kukuksnest" kennt (Der Film gehört notabene zur Pflichtlektüre dort... :ugly:). Und ernsthaft, die hatten alle gröbere Macken... Danach kam ich auf die Psychotherapie Station und dort lernte ich nur normale Menschen kennen, welche einfach Probleme mit unserer Assi-Gesellschaft hatten.

Kein Wunder sucht man irgendwann diesen "Ausweg" wenn man nur mit geisteskranken Soziopathen zu tun hat. Die Zeit dort war eigentlich wirklich angenehm... wären da keine "Pfleger" gewesen, wärs sogar wirklich cool gewesen... einfach mal sich selbst sein, den anderen akzeptieren und es gut miteinander haben. Wow... wirklich so schwer?

Ja! Stimmt, das habe ich bei meinem ersten Beitrag völlig vergessen.
Ich war ja selbst auch mal "Insasse", allerdings nicht in einer Station für die "richtig" gestörten (Schizophrenie etc.), sondern eher für die "harmlosen" Fälle.
Dort habe ich wirklich sehr anregende Gespräche geführt, einfach mal sprudeln lassen, was einem so durch den Kopf geht, wahnsinnig viel gelacht und obendrein noch eine ziemlich geile, mich sexuell an meine Grenzen treibende Affäre mit einer 18 Jahre älteren Frau angefangen.

Evtl. geb' ich noch ein paar Geschichten, die sich in dieser Einrichtung abgespielt haben, zum besten,, aber bin gerade zu faul, so viel zu schreiben.

Rooter
2016-02-07, 15:29:39
Da interessiert natürlich die Affäre am meisten... :biggrin:

MfG
Rooter

Mortalvision
2016-02-07, 16:00:09
Lol, meine Bekannte hatte eine 1-3 Uhr früh Affäre, weil da die Nacht Schwester auf die Nachbarstationen musste (offen), lustigerweise war die Affäre mit einem transsexuellen Mann :D

Mosher
2016-02-07, 16:40:19
Da interessiert natürlich die Affäre am meisten... :biggrin:

MfG
Rooter

Ok, also ich war damals 18 und in besagter Einrichtung.

Die Leute dort waren keinesfalls "verrückt", sondern eher kurzzeitig durchgedreht, oder einfach nervlich am Ende, aber bei einigermaßen klarem Verstand.

Da ich damals Raucher war, hielt ich mich entsprechend oft im Raucherraum auf. Dort fiel mir eine dunkelroothaarige, ziemlich attraktive Frau auf, die den ganzen Tag nichts anderes zu tun schien, als sich in diesem Raucherraum auf völlig nervöse Art Kreuzworträtsel zu lösen, ab und zu eine Zigarette zu rauchen (eher: verschlingen) und an den Fingernägeln herumzuzupfen. Nervenbündel möchte man sagen.

Mein Zimmergenosse, 36, auch Raucher, stellte mich ihr vor und sie schien kein besondres Interesse an mir zu haben. Ich übrigens zu dem Zeitpunkt auch nicht an ihr. Aber mein Zimmergenosse stand auf sie (Sie war auch 36) und lag mir ständig damit in den Ohren.
Eines Tages waren wir (Die Frau und ich) alleine im Raucherraum, was so gut wie nie vorkam, da mein Zimmergenosse ebenfalls jede freie Minute dort drin verbrachte. Er hatte wohl irgendeinen Termin, was weiß ich.

Ich wollte, nett wie ich war, die Gelegenheit nutzen, aus ihr herauszubekommen, was sie von ihm hält. Ihre Antwort war recht eindeutig. "Widerlich". Ok. Wunderte mich nicht. Aber etwas anderes war geschehen: Plötzlich hatte ich doch Interesse an ihr. Und zwar gewaltig.

Wir saßen uns noch eine Weile gegenüber, jeder vertieft in sein Handy, Zeitschrift, wasauchimmer, doch ab und zu trafen sich unsere Blicke und irgendwie wusste ich: "Jetzt oder nie".
Und als hätte sie meine Gedanken erraten, lehnte sie sich über den Tisch, berührte meine Hand und sprach folgenden Satz: "Hey, was hältst du davon, wenn wir ein bisschen Sex machen?"
Ich war erst baff, wischte mir das aber schnell aus dem Gesicht, ging langsam auf sie zu, nickte in Richtung Fenster und nahm sie an der Hand. Wir stiegen durch das Fenster nach außen in den Garten, entdeckten einen Laubhaufen, legten uns dahinter, so dass man uns vom Raucherraum aus nicht sehen konnte und trieben es dort miteinander. Es war animalisch, heftig und keine Spur romantisch, allerdings nicht ohne Leidenschaft. Der beste Sex für mich bisher.
Wir zogen uns wieder an, kletterten durch das Fenster wieder rein und setzten uns hin. In dem Moment kamen wieder Leute rein. Glück gehabt.

Einige Minuten später gingen wir beide aus dem Raum in Richtung Station. Dabei kamen wir an der Mitarbeitertoilette vorbei. Wir beide wussten, dass der Großteil des Personals schon gegangen war. Ein vielsagender Blick und wir gingen hinein. Trieben es erneut. Es war Wahnsinn und wahnsinnig gut.

Sie hatte zu dem Zeitpunkt ihr Zimmer für sich allein, also schlich ich mich später durch die Station, schlüpfte in ihr Zimmer. Wir hatten uns nicht verabredet, aber sie freute sich, mich zu sehen. Wir trieben es erneut.

...

So ging das noch ca. 4-5 Wochen in der Klinik weiter. Bei jeder Gelegenheit wurde gefickt. Ich fand das anfangs wirklich geil und aufregend. Sie hatte auch einen tollen Körper und war ziemlich hübsch, aber ganz ehrlich: Ich KONNTE einfach nicht mehr xD. Wenn jetzt jemand sagt "Na, dann hätteste halt mir ihr geredet" --> Lest noch ein Stück weiter.

"Draußen" ging die Affäre weiter, unsere Wohnorte waren nicht weit voneinander entfernt. Ich wohnte noch bei den Eltern, also trieben wir uns einfach bei ihr herum, wo das Gerammel fröhlich weiterging.

Eines Tages rief mich mein ehemaliger Zimmergenosse an, ob er paar Tage bei mir bleiben könnte. Er würde auch arbeiten, Miete zahlen, aber er könne im Moment nicht nach Hause. Meine Eltern waren seltsamerweise einverstanden damit und gaben ihm auch noch Geld, als er den Flur gestrichen hat. Aber darum gehts jetzt nicht. Jedenfalls hat der Typ ein paar Tage bei uns gewohnt, als plötzlich meine "Freundin" vor der Tür stand.
Ich hatte mich ein paar Tage nicht gemeldet. Meine Eltern staunten nicht schlecht, als ich sie ihnen unverhohlen als meine Freundin vorstellte.

Ich schlief mit ihr in einem Eck des Zimmers, während der Typ vom anderen Ende aus zusah. Man konnte ihn deutlich onanieren hören, aber es war uns egal.

Ok, noch eine letzte Geschichte:
Ich war mit ihr in einer Disco in ihrer Heimatstadt. Wir einigten uns darauf, dass ich ihr "Sohn" war. Bald schon kam ein wirklich abstoénder Typ zu ihr und flirtete mit ihr, während er mir versicherte, er würde es gut mit meiner Mutter meinen. Sie ließ ihn zwar abblitzen, aber irgendwie war ich trotzdem angepisst. (Lag eher daran, dass ich sternhagelvoll war)
Später bei ihr zu Hause wollte sie - oh Wunder - ficken, aber ich konnte einfach nicht und wollte einfach nur noch schlafen. Dann rieb sie mir so lange unten rum, bis er hart wurde, setzte sich drauf und verkündete stolz: "Na, siehste, wusste ich es doch. Du willst auch. Schwänze lügen nicht".

Ich denke, diese letzte Szene beschreibt am besten die sexuellen Machtverhältnisse zwischen uns beiden :D Aber in dem Alter will man als Mann wirklich nicht meckern.

hesTeR-
2016-02-08, 16:21:04
Ich hab mal 2 Wochen auf der geschlossenen gearbeitet, es war auch so ein Sozial Praktikum wo man Leute für Soziale Berufe begeistern soll. Eigentlich darf man da nur auf normale Stationen, die waren aber alle voll und von den Lehrern hat sich keiner gekümmert also bin ich auf ne geschlossene gekommen.

Was mir in Erinnerung geblieben ist.

es wurde wirklich extrem viel geraucht.

ein Bewohner (man darf wohl nicht Patient sagen, tipp für deinen Film) bekamm pro tag immer nur 5 Zigaretten und bedrohte alle anderen und schlug und spuckte um sich, wurde dann regelmäßig im Rollstuhl Fixiert. Der war wirklich komplett Wahnsinnig.

Eine Frau schon etwas älter wurde immer zum Frühstück gefahren und dann für ca. 4-5 Std. auf den Flur geschoben wo sie immer " Hilfe Hilfe Hilfe schrie" auf meine Frage ob man der Frau nicht helfen wolle kam die Antwort das ist normal. Da war mir klar das man hier nicht heilt sondern nur Menschen verwahrt.

An meinem letzen Tag (Tag 4 von 10) ging ich in einen Raum und wollte einen Patienten Frühstück Füttern (Früchte Tee aus der Schnabeltasse und klein geschnittenes Toastbrot mit Honig)
Die Leute waren oft total sediert aber hatten wohl so eine Art "essens" Reflex. Man stubste sie mit dem Honig tost am Mund an und fütterte Sie damit ohne sonstige Reaktion.
Der Mann war aber leider Tod.

Ich war danach von Sozialen Berufen so sehr begeistert wie ein vergewaltigungsopfer von Sex.


Mein zweites Erlebnis war eine Akut Station in einem Krankenhaus ca. 3 Jahre her.
War dort als Besucher und die Person die ich besucht hatte ca. 60 Jahre alt eigentlich relativ normal, nur fertig mit den Nerven. 5 Bett Zimmer mit schlimmsten Ritzern, Boarderlinern und sonstigem ( Kopf gegen die Wand schlagen, schreien). Hab auf gefühlten 20 qm noch nie so viel elend gesehen. Wäre man nicht schon gestört wenn man dahin kommt, auch ein gesunder Mensch würde dort auf jedenfall Schäden davon tragen.

Das dritte Erlebnis war ein riesen Komplex mit Schwimmbad Sportraum etc wo Menschen mit Essstörung aber auch Depressionen etc behandelt wurden. Das war dort ziemlich genial, tolles personal und man hat sich als Besucher auch willkommen gefühlt. Dazu Einzelzimmer die eher 3 Sterne Hotel Niveau hatten.
Also wenn man mal was hat wäre das dort sicher toll. Wovon ich begeistert war, war das die Person die dort 6 Monate war wirklich geheilt wurde. Vorher wurden ca. 20 Jahre sinnlose sprach Therapien und Medikamente gegeben ohne erfolg.

ich glaube es gibt also so und so ....

Mortalvision
2016-02-08, 19:24:07
@Mosher: geile Geschichte. Nur habt ihr zwei statt Rauchen gerammelt, beides nicht förderlich für die Therapie :D