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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Pränataldiagnostik - Erfahrungen und Meinungen


alkorithmus
2017-06-26, 09:44:55
Gestern einen Beitrag im Inforadio gelauscht. Es ging um die Pränataldiagnostik (https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4nataldiagnostik) und die ethischen Implikationen. Es gibt Vereine die sich dagegen engagieren und sie fürchten, dass diese Methode bald eine Kassenleistung ist und somit der Umgang damit noch niedrigschwelliger wird. Wie halten es die Mammis und Daddies in diesem Forum? Hattet ihr diese Methode genutzt? Wie handhaben es diejenigen, die Planen eine Familie zu haben? Was tun bei Meinungsdifferenzen zwischen Partnern? Mein persönlicher Standpunkt ist nicht ganz klar - daher würde mich mal interessieren wie die deutsche Internet Elite* darüber denkt. (Keine Medizin-Diskussion)

*Dieses Forum

mdf/markus
2017-06-26, 09:57:49
Mein Tipp ist der wahrscheinlich offensichtlichste:
Wenn man sich dazu entschließt, ist aus meiner Sicht im vorhinein ein Gespräch zwischen den werden Elternteilen notwendig, in dem man möglichst viele der "was wäre wenn Szenarien" auf den Tisch legt.
Man wird mit einer nackten Zahl konfrontiert, die dann Entscheidungsgrundlage für weitere Schritte sind. Keine Tipps, keine Ratschläge, kein "da macht man das dann so".
Für mich war es eine Erleichterung, als die Sache vorbei war, da ich davor doch recht angespannt war, rückblickend. Aber das liegt sicher an ein paar meiner Traits (nach außen hin positiv optimistisch, innerlich bei so schwierigen Entscheidungen nicht selten pessimistisch/skeptisch).
Bei einem guten Ergebnis heißt das natürlich noch nicht, dass der Rest der Schwangerschaft sicher komplikationslos verläuft, aber für mich war das wie ein gefühltes erstes Etappenziel.

Franconian
2017-06-26, 10:05:22
Ich bin/war voll dafür. Bei steigendem Alter der Mutter und Verdachtsanzeichen ist das Risiko einfach zu groß, ein behindertes Kind zu bekommen. Das steht/stand für mich außer Frage, damit könnte ich nicht leben, koste es was es wolle.

Meine Freundin war damals zumindest gegen eine Fruchtwasseruntersuchung, da sie meinte das Risiko eines Abganges wäre ihr zu hoch. Ich persönlich hätte es freilich riskiert. Sollte ich nochmal ein Kind bekommen, würde ich auch auf jeden Fall einen dieser DNA/Bluttests machen lassen.

Meiner Meinung nach sollten derartige Tests bei jeder Schwangerschaft als Kassenleistung durchgeführt werden.

Argo Zero
2017-06-26, 10:21:32
Wie teuer ist das eigentlich ohne Kasse?

mdf/markus
2017-06-26, 10:55:19
Nackenfalten war bei uns in Österreich um die € 200,-, wenn ich mich richtig erinnere...

derpinguin
2017-06-26, 11:12:59
Ich würde machen lassen was geht. Ich möchte gerne vorher wissen auf was ich mich einstellen muss.

Die invasiven Tests haben keinen signifikanten Einfluss auf das abortrisiko. Mit oder ohne Tests ist das Risiko das Kind zu verlieren bei etwa 1:100

Vader
2017-06-26, 11:22:42
Wir haben uns dafür entschieden, da wir bei dem ersten Kind schon älter waren.

skanti
2017-06-26, 11:24:12
Ich bin/war voll dafür. Bei steigendem Alter der Mutter und Verdachtsanzeichen ist das Risiko einfach zu groß, ein behindertes Kind zu bekommen. Das steht/stand für mich außer Frage, damit könnte ich nicht leben, koste es was es wolle.

Meine Freundin war damals zumindest gegen eine Fruchtwasseruntersuchung, da sie meinte das Risiko eines Abganges wäre ihr zu hoch. Ich persönlich hätte es freilich riskiert. Sollte ich nochmal ein Kind bekommen, würde ich auch auf jeden Fall einen dieser DNA/Bluttests machen lassen.

Meiner Meinung nach sollten derartige Tests bei jeder Schwangerschaft als Kassenleistung durchgeführt werden.

Generell bin ich bei Verdachtsmomenten schon für Aufklärung, im Rahmen des Risikos, welches für einen selbst einschätzbar ist.

Aktuell ist meine Frau Schwanger und wir besprechen alles, aber das letzte Wort hat immer sie. Bei einem Verlust eines Kindes und allem was darauf folgt leidet die Frau sicherlich tausendmal mehr als der Mann.

Persönlich bin ich auch unentschlossen und sollte immer als Einzelfallentscheidung angesehen werden. Gut finde ich, dass es die Möglichkeiten gibt.

In dem Zusammenhang fällt mir aber auf, dass es immer weniger Kinder Menschen mit Trisomie im Straßenbild zu sehen sind.

Cerise
2017-06-26, 11:27:20
Ich bin/war voll dafür. Bei steigendem Alter der Mutter und Verdachtsanzeichen ist das Risiko einfach zu groß, ein behindertes Kind zu bekommen. Das steht/stand für mich außer Frage, damit könnte ich nicht leben, koste es was es wolle.

Meine Freundin war damals zumindest gegen eine Fruchtwasseruntersuchung, da sie meinte das Risiko eines Abganges wäre ihr zu hoch. Ich persönlich hätte es freilich riskiert. Sollte ich nochmal ein Kind bekommen, würde ich auch auf jeden Fall einen dieser DNA/Bluttests machen lassen.

Meiner Meinung nach sollten derartige Tests bei jeder Schwangerschaft als Kassenleistung durchgeführt werden.

Ich denke man muss unterscheiden, ob es (mehrere) Risikofaktoren oder Anzeichen gibt oder ob es sich um eine unauffällige Schwangerschaft handelt. In ersterem Fall sollten die Tests als Kassenleistung angeboten werden (was doch glaube ich sowieso so ist), in letzterem nicht - das ist zumindest meine Meinung zu dem Thema. Die Fehlgeburtsrisiken sind durchaus nicht gering, aber sehr schwer wiegt doch auch allein die Verunsicherung der werdenden Eltern. Wie schnell ist ein Befund auffällig und bringt wochenlange Angst oder vorschnelle Entscheidungen mit sich, obwohl sich am Ende herausstellt, dass der Befund falsch positiv war.

Von meinem jetzigen Standpunkt aus würde ich bei einer Schwangerschaft keine Tests durchführen lassen wollen, sondern mich auf das Risiko einlassen. Eine Trisomie 21 beispielsweise wäre eine Erkrankung, bei der ich persönlich heutzutage keine Notwendigkeit einer Abtreibung sehe, deshalb würde ich darauf nicht testen.

Zufälligerweise habe ich gerade vorhin einen interessanten Artikel zum Thema behindertes Kind gelesen: http://www.zeit.de/2012/03/Kind-Behinderung

Sven77
2017-06-26, 11:29:23
Hattet ihr diese Methode genutzt?

Nein..

derpinguin
2017-06-26, 11:32:04
In dem Zusammenhang fällt mir aber auf, dass es immer weniger Kinder Menschen mit Trisomie im Straßenbild zu sehen sind.
Weil die heute relativ konsequent in Einrichtungen untergebracht werden und nicht mehr wie früher bei der Familie bleiben.

Daredevil
2017-06-26, 11:43:59
Aktuell ist meine Frau Schwanger und wir besprechen alles, aber das letzte Wort hat immer sie. Bei einem Verlust eines Kindes und allem was darauf folgt leidet die Frau sicherlich tausendmal mehr als der Mann.

Und am Ende wärst du bestimmt auch noch schuld !!111elf :D #Emanzipation

OT:
Ich würde abwägen mit meiner Freundin, ob ein Abbruch überhaupt zur Frage steht und bei einem klaren Ja sowas dann auch testen lassen.
Bei einem Nein wäre zwar die Gewissheit da vorher, das würde mir aber eher Bauchschmerzen bereiten.
Reagieren kann man doch später immer noch, nech?

Sven77
2017-06-26, 11:46:41
Imho ist das Geldmacherei mit den Ängsten der Eltern..

So kommt es, dass bei statistisch gesehen 5 % aller Nackentransparenzmessungen ein besonders erhöhter Nackentransparenzwert (Überschreitung der 95. Perzentile) beim ungeborenen Kind festgestellt werden, aber dann nur in etwa 10 von 100 Fällen bei weiterführenden Untersuchungen Besonderheiten mit eigenem Krankheitswert zu finden sind.

mdf/markus
2017-06-26, 11:51:25
Imho ist das Geldmacherei mit den Ängsten der Eltern..


Auch wenn wir uns damals dafür entschieden hatten, gibt es natürlich auch gute Gründe, diese Untersuchungen nicht durchführen zu lassen.
Die Freiheit diesbezüglich unterstütze ich dennoch.

Sven77
2017-06-26, 11:53:18
Die Freiheit diesbezüglich unterstütze ich dennoch.

natürlich.. aber ich bin dagegen das es Kassenleistung wird.

mdf/markus
2017-06-26, 11:59:05
natürlich.. aber ich bin dagegen das es Kassenleistung wird.

Tendenziell sehe ich es auch so.
Wobei das eine Frage aus einem so heiklen Problemfeld ist, bei der ich froh bin, nicht Entscheidungsträger zu sein.

Simon Moon
2017-06-26, 12:39:41
Auf was bezieht sich das Topic denn nun genau? Das Thema zieht sich ja recht weit - von Ultraschall bis DNS-Analyse.

Gewisse Sachen wie etwa Ultraschall dachte ich sind schon Standard, nicht? Also zumindest auf nicht genetischer Ebene würd ich wohl das meiste befürworten.

Wenn es dann um DNS-Analyse geht, wird es schon extrem heikel. Ich tendiere mit so 55 - 60% zu Nein, bin aber auch nicht in der Situation. Dazu gibt es eigentlich zwei Gründe:
1. Wenn der Fall eindeutig ist, z.b. dass da kein lebensfähiger Mensch entstehen kann und allenfalls noch eine Gefahr für die Mutter ausgeht, ist es ja noch relativ einfach. Doch was, wenn man erfährt, das Kind wird einfach schwer behindert? Tu ich ihm da eher einen Gefallen, wenn man es abtreibt oder austrägt? Was wenn das Kind nur leiden würde? Was wenn es seine Behinderung gar nicht wirklich als solche wahrnehmen würde? Was wenn sich die Analyse "irrt" und das Kind doch gesund auf die Welt kommt (soweit ich mal vermute, wird man auch heute nicht 100% nennen können, auch wenns vll. 99,999% sind). Ich weiss nicht, wie ich hier entscheiden würde und bin froh nicht in der Situation zu sein.

2. Aktuell betrifft es noch Krankheiten. Doch ich hab grad neulich eine Doku gesehen von einem Arzt der aktuell bereits werdenden Eltern verschiedene Augenfarben zu ihrem Kind "anbieten" können, einfach in dem befruchtete Eizellen analysiert und selektiert werden. Mehr scheint noch nicht möglich, aber der Arzt meinte, der Katalog werde nun jedes Jahr grösser. Irgendwann wird man dann wohl nicht nur selektieren, sondern die Gene direkt manipulieren. So eine Entwicklung will ich aber nicht. Da ergeben sich so viele Implikationen, dass es schon fast ein eigenes Thema wäre. Ein paar Gedanken:

a) Sind dann genetisch nicht "verbesserte" Menschen plötzlich minderwertig? Könne das zu einem neuen Faschismus führen?

b) Inwiefern kann man dann noch von einem freien Willen ausgehen, wenn das "Grundprogramm" künstlich vorgegeben wird? Sind die Ärzte und Eltern dann verantwortlich, wenn das Kind z.b. ein Serienkiller wird? Was wenn man z.b. negative Gefühle ausschalen könnte, wo wäre da noch das Menschliche?

c) Wie würde es sich als solcher Mensch anfühlen, wenn man z.b. eine sportliche Statur "gesponsert" bekommen hat, aber lieber mehr Intelligenz hätte?

d) Oder würde es in eine Selektion nach Brave New World enden, wo der Embryo so verändert wird, dass er den Platz des Fabrikarbeiters, dessen Tod auf 18 Jahre in die Zukunft datiert ist, ersetzen wird? Also quasi nur noch eine Zelle in einem Organismus, ohne jegliche Freiheit. Wäre das überhaupt schlecht?

e) Wäre das überhaupt ein Fortschritt? Oder spielt es im Endeffekt eh keine Rolle ob wir nun in einer Höhle wohnen, uns das Leben mit Technik erleichtern oder uns genetisch manipulieren?

....

Diese Thematik wurde bisher eigentlich nur in SciFi angerissen, zumindest für die breite Öffentlichkeit. Doch ich denke, das wäre einer der wichtigsten Entscheidungen, welche eine Gesellschaft für sich in einem tiefgehenden Diskurs klären müsste. Eine Einführung durch die Hintertür nach dem Salami-Prinzip lehne ich hier ab. Ich würde sogar sehen, dass so eine Thematik im Völkerrecht in die Selbstbestimmung fliesst.

NiCoSt
2017-06-26, 13:36:57
Wir haben uns bewusst dagegen (damit meine ich Tests auf Trisomie) entschieden aus verschiedenen Gründen.
Die sonstigen Standarduntersuchungen haben wir machen lassen (alle organe da? Nabelschnur ok usw...)

Karl|Krake
2017-06-27, 17:15:07
Meine Frau "leidet" unter einer Blutgerinnungsstörung, aufgrund der erhöhten Gefahr bei der Geburt haben wir uns entscheiden die Nackenfaltenmessung nicht nur bei der "normalen" Gynäkologien durchzuführen sondern sind zu einem Pränatalzentrum gefahren.
Beim Normalbefund sollte es das gewesen sein, bei einem auffälligen Befund hätten wir weiter untersuchen lassen. Da das möglicherweise das einzige Kind hätte werden können, war uns das so lieber.
Wichtig ist in meinen Augen im Vorfeld über alle Optionen zu sprechen, was ist wenn etwas auffälliges festgestellt wird. Was machen wir wenn jenes eintritt.

Bei der Untersuchung nichts auffälliges festgestellt, mittlerweile die U3 hinter uns gebracht, alles toll.