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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Alternative Geschichte: Der deutsche Heimcomputer. Und welche Spiele dazu


aths
2026-03-14, 16:42:41
Homecomputer der 8-Bit-Ära, wer erinnert sich an die Namen Commodore, Atari, Sinclair? Im Stil eines dokumentierenden Artikels geht es hier um die fiktive Geschichte eines Heimcomputers – aus Deutschland. Die Story ist lang, aber gut.



Deutsche Ingenieursleistung: Anfänge als Tischrechner

Interviews aus der Zeit sind spärlich, abgesehen von ein paar Folgen im WDR-Computerclub und natürlich den alten Zeitschriften. Wir haben versucht, die deutsche Homecomputer-Geschichte zu rekonstruieren und würdigen einen eigenwilligen Ansatz aus der 8-Bit-Zeit. -> Wie gesagt, alles hier ist fiktiv.

1977 hatte Bjarn Kuffner von einem Onkel aus Amerika eine Apple-Platine geschenkt bekommen welche auf der Reise nach Deutschland Schaden genommen hatte. Die 8-Bit-CPU, ein MOS 6502 und weitere Bauteile waren noch funktionsfähig, der Rechner konnte jedoch keine Bildausgabe mehr erzeugen. Sein Cousin Manuel der bereits studierte, ärgerte sich dort über die viele Rechenarbeit. Bjarn packte der Ehrgeiz. Er besorgte sich Dokumentation zum 6502 und schaffte es, direkt in Maschinensprache programmiert, mit der CPU ein Bildsignal zu erzeugen das sich mit weiteren Schaltkreisen für den Fernseher-Antennenanschluss modulieren ließ. Dann entwickelte er eine simple Ein- und Ausgabe von Zahlen. Die Tastatur hatte 16 "Tasten", also kleine Klickschalter. Der begrenzte Zeichensatz hatte kein Platz fürs Komma, hier wurde ein Leerzeichen genutzt. Die Eingabe erfasst zwei Zahlen, dann die Operation, Bildausgabe bestand aus 8 Zeilen à 16 Zeichen. Auf den Rechner, eigentlich nur ein simpelster Taschenrechner mit Fernseher-Ausgabe, war Bjarn unheimlich stolz: Selbst erdacht und gelötet. Nachdem der Prototyp lief, blieb das Projekt erst mal liegen – Abitur stand an.

1979 entwickelte Bjarn einen neuen TV-Tischrechner der auch mehr Zeichen darstellen konnte, er implementierte weitere Funktionen wie Sinus. Außerdem eine Methode um Algorithmen einzugeben – mit Ablagemöglichkeit für Zwischenergebnisse. Das war genug um die Anforderungen von Cousin Manuel zu erfüllen der gerade an seiner Diplomarbeit saß. Ein Studienkollege von ihm namens Anton Reck hatte reiche Eltern. Anton erfuhr von dem Rechner und kaufte Bjarn die Rechte des Designs für 5000 (andere Quellen sagen 15000) Mark ab. Die Faktenlage für die nächsten Monate ist dünn und widersprüchlich. Der Legende nach haben Bjarn und Anton schnell die Fähigkeiten des jeweils anderen erkannt und letztlich gemeinsam einen richtigen Computer entwickelt, den ABC, wobei A und B für die Vornamen und C für Computer steht. Prototypen vom ABC stellten sie in einer Halle in Hannover vor. Tastatur und Computer bildeten eine Einheit, es gab 52 Tasten sowie einen seitlichen An-Aus-Schalter.


Rasante Entwicklung hin zum richtigen Computer

Die deutsche Presse hoffte 1980 auf einem Computer aus Deutschland und gab dem Projekt Vorschusslorbeeren. Dabei war das Gerät eigentlich zu teuer für das was es bot, also nur Textmodus, Schwarzweiß, pro Zeile nur 32 statt übliche 40 Zeichen. Mit 12K umfassenden ROM wurden immerhin umfassende mathematische Operationen bereitgestellt. Einige Universitäten und Firmen fragten genug Computer an, um die erste Produktionscharge zu rechtfertigen. Bjarn hatte von den Großeltern geerbt und gründete mit Anton die ABC-Rechner GmbH. Mitarbeiter wurden eingestellt und bauten in Hildesheim die Rechner zusammen. Ab der zweiten Charge hieß das Gerät nun ABCD, also Anton Bjarn Computer Deutschland. Das Modell kam mit satten 8 K Hauptspeicher.

Denn Manuel forderte ständig mehr Arbeitsspeicher. Deshalb entwickelte Bjarn eine neue Architektur: Der 64-K-Adressraum wird mittels Controller in Blöcke unterteilt. Der oberste Block von 4K ROM, ist fix und der unterste, 4K RAM, ebenfalls. Der restliche Bereich wird in sieben Blöcke je 8K unterteilt und ist umschaltbar auf Seite 0 oder 1. Auf Seite 0 hatte der Rechner weitere 8 K ROM für BASIC. Auf Seite 1 war ein ROM für den interaktiven Tischrecher-Modus, mit der Idee dass man nicht programmieren können muss nur wenn man etwas berechnen will.

An Arbeitsspeicher wären im theoretischen Vollausbau zu 100K RAM adressierbar, allerdings musste sich die Software um das Block-Umschalten kümmern. Noch während der Prototyp-Phase bestand Anton auf Farbausgabe für den kommerziellen Markt.

Inzwischen waren Privat-Investoren eingestiegen, die Firmengründer mussten nun einen Aufsichtsrat akzeptieren. Genauen Umstände sind nicht mehr rekonstruierbar; aus Hamburg, Hannover, und ausgerechnet Hamm sollen jeweils Millionäre richtig Geld reingepumpt haben. Womit sie dann auch den Großteil der Gewinne kassierten. Auch diese Herren verlangen Farbausgabe.

Farbfähigkeit? Um Speicher zu sparen gab es eine Vorder- und eine Hintergrund-Farbe nur pro Buchstabe, das wäre Modell F für Farbe. Darauf aufbauend entwickelte Bjarn einen simplen Zusatzchip für Grafik. Keine Sprite-Unterstützung, einfach nur 256x200 Pixel. Die Farbe wurde gleich doppelt komprimiert: Aus einem Raum von 128 Farben kann man eine 16-Farb-Palette definieren. Und aus dieser Palette kann man alle 8 horizontalen Pixel eine Vorder- und eine Hintergrundfarbe wählen. Möchte man Speicher sparen lässt sich diese Farbattribut-Auflösung auch vergröbern. An dieser Stelle möchten wir ein Missverständnis auflösen: Der Rechner kann nämlich nicht innerhalb eines Screens zwischen Grafik- und Textmodus umschalten! Was hingegen funktioniert ist die Größe der Farbattribute umzuschalten.

Das neue Modell hatte intern die Bezeichnung G für Grafik. Damit wäre man insgesamt bei ABCDEFG, so albern wurde es zum Glück dann doch nicht. Der Computer hieß weiter ABCD, wobei das Logo für jeden Buchstaben eine eigene Farbe hatte: Blau, Rot, Gelb, Grün. Soundausgabe musste mit der CPU gemacht werden und selbst dann gab es nur Piep-Töne. Das Computergehäuse hatte hinten, sowie rechts einen Kühlergrill. Die Tasten waren schön gestaltet und die Zahlenreihe anders gefärbt als die Buchstaben, der eingebaute Cursortastenblock ließ den Computer modern wirken und er bekam zwei neue Tasten spendiert: Anfang der Zeile, Ende der Zeile.


Erste Erfolge für den E-20, dann starke Konkurrenz

Der ABCD, Modell E-20, hatte 20 K RAM aber schaffte es nicht mehr zum Weihnachtsgeschäft 1981. Ab Februar 82 wurde er für 980 Mark angeboten. Mit Hinblick auf das solide Gehäuse mit der hochwertigen Tastatur, sowie einer gut getesteten Platine wo kein Bauteil überhitzte und einer Endfertigung in Deutschland, all das zu einem Preis der dem Fachhändler eine sinnvolle Marge bot, wurde das Gerät von Händlern in den Himmel gelobt.

Der RAM ließ sich mit bis zu zwei 32-KB-RAM-Modulen aufrüsten, das zweite Modul wurde in den Seite-1-Adressbereich eingeblendet. Damit endete der Vollausbau bei 84 KB.

Unter deutschen Hobbyprogrammierern wurde der ABCD beliebt, das BASIC war nicht besonders flexibel, aber schnell: Befehle wurden intern mit nur einem Zeichen gespeichert, was den Interpreter effizient macht. Sofern eine Variable nur einen Buchstaben lang ist, wird die Referenzierungstabelle umgangen weil diese Zahlenwerte, oder bei Strings Speicheradresse und Länge, direkt in einer fixen Tabelle im unteren RAM stehen. Das vorhandene Alphabet umfasste nicht 26 sondern 32 Zeichen. Damit wurden die drei Umlaute realisiert, sowie die griechischen Buchstaben Alpha und Beta und Gamma. Das kleine Beta wurde im auch als ß genutzt.

Der Erweiterungsanschluss ließ sich mit passendem Modul für bis zu zwei Joysticks nutzen. Es gab auch einen proprietären seriellen Port, und natürlich einen Anschluss fürs Tonband als Massenspeicher. Der Rechner schaffte es in überregionale Zeitschriftartikel, es gab einen Kauf-Ansturm. Noch im gleichen Jahr wurde der E-20 vom ZX Spectrum überschattet, der war dank günstiger Bauweise erschwinglicher. Der C64 erschien ebenfalls, teurer aber auch leistungsfähiger als der E-20. Der E-20 wurde teils mit vorinstallierter RAM-Erweiterung als E-52 oder E-84 angeboten, teilweise im Paket mit einem ABCD-gelabelten Kassettenlaufwerk. Der Handel freute sich über die Möglichkeit, nicht nur einfach einen Rechner billig zu verramschen sondern eine ganze Computer-Serie im Laden anzubieten um damit einen größeren Bereich von Kaufkraft abzuschöpfen. Ein Händlerspruch aus der Zeit war, der ABCD sei von den Erben von Konrad Zuse, eine Anspielung auf den Pionier der Computertechnik. Natürlich hatte Zuse mit dem Computer selbst nichts zu tun.



Goldene Zeit dank Super-Chip in der EII-Serie

Wer für die Modellbezeichnungen verantwortlich war lässt sich nicht mehr klären, jedenfalls erschien im Frühjahr 1983 der ABCD EII-44. Es gab nur noch eine RAM-Erweiterung, welche zum Vollausbau von insgesamt 100K führte. Das größer gewordenene Gehäuse bot einen zusätzlichen Erweiterungsport welcher direkten Speicherzugriff unterstützt. Zwei gängige 9-Pin-Joystick-Anschlüsse auf der linken Seite. Als Bildausgang zusätzlich noch Composite. Und es gab einen Soundchip der Rechteck-Signale, Dreieck-Signale und Rauschen anbot.

Der verbesserte Grafikchip im EII bot die bisherigen Bildmodi, und zusätztich individuelle Pixelfarbgebung. Sogar mit einem 512x200-Highresmodus mit 4 Farben, oder 256x200 mit bis zu 16 Farben pro Pixel, oder den Low-Res-Modus von nur 128x200. Bei 16 Farben ließ nur der Low-Res-Modus genügend Speicherbandbreite für flüssige Computerspiele übrig. Der Raum aus dem sich die 4-er oder 16-er Paletten wählen ließen umfasste nun 256 Farben. Mit sorgfältigem Timing konnte man pro Bildzeile die aktive Palette ändern und damit sehr schöne Bilder erzeugen. In der Praxis bekam oft nur jedes einzelne Spiel-Level seine individuelle Palette, womit es sich optisch aber schon deutlich vom C64 abhob. Die Pixelzahl pro Zeile als glatte Zweierpotenzen erlaubte einfachere Adressierungslogik, doch die Auflösung hing der Konkurrenz hinterher. Dennoch, wer die späteren Spiele für den EII gesehen hat, versteht auch warum sich der deutsche Rechner trotz höherem Preis verkaufte. Dieser Preis kam vor allem durch einen Super-Chip. Das war die Werbebezeichnung.

Gemeint ist der Mathematik-Prozessor ABCM 1000. Er wurde in alle EII-Rechner eingebaut und machte das Gerät teuer – kein Wunder mit einer Transistorzahl von über 9000. Er bot Multiplikation von zwei 8-Bit-Werten zu 16 Bit, Addition von zwei 16-Bit-Werten, oder beides hintereinander. Die Berechnungen brauchten natürlich einige Takte. Der erste Operand sowie das Ergebnis konnten optional einen eigenen Bitshift bekommen. Der Prozessor war dafür ausgelegt, konfiguriert zu werden und eine Liste von Operanden abzuarbeiten und der CPU zu melden wenn er fertig ist. Damit er sich den Speicherzugriff nicht mit der CPU teilen muss, war ein bestimmter 8K-RAM-Block sowohl auf Seite 0 als auch Seite 1 bestückt. Der ABCM sah den Block, der für die CPU gerade ausgeblendet war. Während der ABCM arbeitete, konnte die CPU vorherige Ergebnisse weiterverarbeiten oder schon mal neue Inputwerte schreiben.

Der Prozessor wurde in Japan hergestellt, damals führend in der Chipfertigung. Trotz aller Sorgfalt im Design hatte die erste Charge des ABCM einen Fehler, dessen Behebung Monate dauerte. Dann investierte Mr. Hayashi aus Tokio richtig Geld und rettete das Projekt. Dafür bekam er Firmenanteile und den Exklusiv-Importvertrag nach ganz Asien. Die erste Charge mit defektem Super-Prozessor wurde günstig nach Brasilien abverkauft, mit Handbuch welche ABCM-Funktionen man nicht nutzen sollte da sich der Chip sonst in eine Endlosschleife begibt. Anscheinend gab es in Brasilien eine deutschsprachige Szene. So die gängige Erzählung, uns verwundert dass wenn die Firma in Not war, immer irgendwo ein Millionär herkam. Wahrscheinlich sind viele Ereignisse nur verdichtet überliefert.

Das EII-Gerät hatte zwei neue Tasten, Entfernen und Fortsetzen. Die bisher im ROM eingebaute Tischrechner-Funktion entfiel und wurde nun als Software angeboten. Fachpresse bemängelte die geringe Bildauflösung und das mitgelieferte BASIC welches nur Textausgabe unterstützt. Und Mr. Hayashi hatte mit seinem Deal wohl nicht viel verdient. Die EII-Fangemeinde in Japan und ganz Asien war klein, zumal die NTSC-Version andere Farben erzeugte als das PAL-Original. Der ABCM-Prozessor benötigte, damit man nicht unnötig CPU-Takte vergeudet, abgestimmte Algorithmen. Manuel kritisierte die umständliche Programmierung in einem c't-Gastbeitrag – von hier haben wir auch die detaillierten Informationen zum Prozessor – er lobte aber die theoretische Rechenkraft.

Jetzt zum Rechner der vom Verkaufsvolumen als DER Computer aus Deutschland gilt: Der EII-60 NA, "Neue Ausgabe" als kostenoptimierte Version. RAM-Erweiterung war nicht mehr möglich, wenigstens blieb der ABCM-Prozessor. Beim NA stammten viele Teile nicht mehr aus Deutschland, aber die Tastenkappen waren weiterhin hierzulande gefertigt und wie gewohnt je nach Tastensektion anders eingefärbt und zumindest Teile der Endmontage fanden noch in Hildesheim statt. Der alte Erweiterungsschacht fiel beim NA weg so dass nur noch der moderne Schacht blieb. Der EII-60 NA war in einer Preisregion, dass der Sohnemann zum Geburtstag einen deutschsprachigen Computer bekommen könnte.

Der originale, nicht-NA EII wurde ab dann nur noch mit RAM-Vollausbau, also als 100-er verkauft, das Hauptgeschäft wurde aber mit dem NA gemacht. Vorgestellt Anfang 1984: Externes Laufwerk für Mini-Disketten, also 5 1/4 Zoll. Dieses Laufwerk hatte eine eingebaute MOS-CPU und nutzte nur den seriellen Anschluss. Später gab es von Fremdherstellern ein Erweiterungs-Modul mit Parallel-Anschluss und passendem Laufwerk. Dessen Nutzung war nicht völlig kompatibel. Insgesamt gab die Diskette den Rechnern einen Schub, es war viel bequemer als mit Kassette zu arbeiten. Privathaushalte die nun einen Computer kauften, waren vom ABCD wegen seiner Umlaute angetan. In der kollektiven Erinnerung das Bild Mitte der 1980-er: In einem Altbau in Westberlin steht ein NA-Computer mit Umlauten, angeschlossen an einen Telefunken-Farbfernseher.



Software und Spiele

Der EII-100 fand Einzug bei einigen Wissenschaftlern die sich privat noch keinen PC leisten konnten aber viele Berechnungen durchführen wollten. Der PC holte auf, er war viel teurer aber eben auch schneller. Nur dem Schneider CPC konnte das ABCD-Gerät noch Paroli bieten. Für den ABCD war Mathematik- und Physik-Software eine wichtige Stütze. Dank des Super-Chips konnten Berechnungen teils deutlich schneller ablaufen als auf anderen, zugegebenermaßen auch günstigeren 8-Bit-Rechnern. Eine Gruppe von Studenten an der Fachhochschule Hamburg brauchte leistunggstarke "numerische Integration", der NDR sendete eine kurze Doku wie der EII hier die Rechenzeit verkürzte ohne einen viel teureren Computer anschaffen zu müssen. Es gab das Programm "Sternenhimmel" um eine ungefähre Darstellung des Nachthimmels anzuzeigen, mit genauen Planetendaten. Für Hobby-Astronomen wurde das praktisch ein Pflichtkauf. Endlich gab es auch Diskettenlaufwerke mit Schreiblesekopf auf beiden Seiten zu kaufen. Kein Umdrehen mehr – "Sternenhimmel Version 1.4" unterstützte das schon.

Mit dem EII-60 NA gab es innerhalb der Architektur nun eine preislich akzeptable Verbraucher-Schiene. Spiele wurden oft so entwickelt, auf dem dem 60 NA aber auch dem EII-100 zu laufen, beim 100-er wurde oft einfach schon mehr von der Diskette in den RAM geladen so dass es während des Spiels weniger Unterbrechungen gab. International blieben ABCD-Rechner ein Nischenprodukt. Bei den Games dominierte deutscher Geschmack, es gab mehr ernsthafte Simulationen als berühmte Action-Kracher. Der Hanse-Simulator, Episkopat, Steinzeit-Sim, alles Spiele mit ihrem eigenen Charme. Und nicht auf andere 8-Bit-Rechner übertragbar, weil nur dank Super-Chip so viele interne Parameter berücksichtigt werden konnten.

Das absolute Killer-Spiel gab es nie, Klone von Space Invaders, Pacman oder River Raid kamen nie rechtzeitig. Bei ABCD-exklusiven Titeln zeigte sich eine maritime Ader, ob "Kogge Manager", "U-Boot 929", oder auch "Sternenschiff Alnitak", "Frachtkreuzer Vehrenberg", bis zum esoterischen Rollenspiel "Sehnsucht Kapella", die Spiele waren genau das was man sich bei den jeweiligen Namen vorstellt.

Es gab Anwenderprogramme, die allerdings ihren eigenen Dreh hatten. "Rechenblatt" und "Kästchenpapier" als jeweils eigenwillige Tabellenkalkulation – im weiteren Sinne. Und, gab es "Praline Girls"? Dieses Soft-Erotik-Ding mit digitalisierten Frauen? Jeder von damals sagt er kenne einen Freund der es hatte, nur selbst hatte es irgendwie keiner.



Druck von außen und eine neue Architektur

NA und der 100-er waren durch den ABCM-Prozessor nicht in der Lage so teuer dass man nicht in den Preiskampf gehen konnte, es neues Modell musste her. Anstatt auf 16-Bit-Technik zu setzen wurde der Super-Prozessor erweitert, der ABCM2000 bot nun Bit-Shifting in nur einem Takt und alternativ zur Multiplikation eine 16 Bit breite Operation "1/x" in Hardware als Hilfestellung für frei definierbare Division. Die Speicherverwaltung wurde albern: Blöcke waren vierfach adressierbar. Das ROM bot besseres BASIC und umfasste nun 20K, so dass insgesamt noch 164 KB RAM ansprechbar waren und auch eingebaut wurden. Ebenso war ein 3,5"-Diskettenlaufwerk eingebaut, ein weiteres extern anschließbar, zusätzlich gab es einen Parallelport für Drucker. Die MOS-6502-CPU wurde nun endlich auch höher getaktet.

Das Keyboard wurde um Funktionstasten und einen Nummernblock erweitert, auf insgesamt 85 Tasten. In dem Jahr 1985 sollte der Computer auch erscheinen, schaffte es aber erst 1986 in die Läden: Der ABCD 164. Endlich keine obskuren Kürzel, einfach nur die Modellnummer. Das Gerät bot neue Grafikmodi bis 512x400 mit 2 oder 4 Farben, hierfür gab es den S-Video-Ausgang. Bei entweder halbierter vertikalen oder horizontalen Auflösung gab es 16 Farben. Der Computer hatte eine Quarzuhr eingebaut – auslesbar für die Maschine aber auch mit LC-Anzeige am Computer – und hob sich damit von anderen 8-Bit-Rechnern ab. Leider gab es bereits 32-Bit-Computer zu kaufen, für Privatanwender war immerhin 16-Bit-Technik erschwinglich geworden. Der Stern von ABCD mit seiner 8-Bit-Technik war im Sinkflug. Und es blieb unklar ob es mehr ein Spiele- oder Bürocomputer sein sollte. TV-Werbung zeigte Professoren die den Rechner für die verfügbare Mathematik-Software lobten, oder alternativ junge Leute die den seriösen 164-er mit seiner so tollen Leistung einfach zum Zocken einsetzen. Das wirkte auf den normalen Verbraucher elitär, oder unernst.

Der neue Mathematikprozessor erlaubte dank schnelleren Divisionen immerhin flüssige Polygon-Strich-Grafik, teilweise mit gefüllten Polygonen. Der 164-er war mit den vorherigen Computern nicht kompatibel, das erklärt seinen langsamen Start. Entwickler der älteren Modelle fanden sich zwar schnell zurecht und brachten 164-er Software raus. Erste Programme unterstützten Maus-Steuerung. Doch um es so hart zu sagen wie es ist: Ab dem Tag ab dem der Amiga 500 in den Läden stand, musste man schon extremer Fanboy sein um beim 164-er zu bleiben.

Wir können heute nicht mehr nachvollziehen, wie weit die Gerüchte stimmen dass eine Version mit weniger RAM und vereinfachter aber weiterhin brauchbarer Tastatur für den Ostblock gebaut wurde. Angeblich wurden Komponenten mit falschen Papieren eingeführt und in der DDR, aber auch in Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei zusammengebaut. Andere Quellen sagen dass ein "German Computer EII-44" für Brasilien gebaut dann in die Sowjetunion re-importiert wurde und das Südamerika-Geschäft nur Vorwand war. Sicher ist nur, dass eine abgewandelte Form der alten, Nicht-II E-Architektur mit seiner maximal-möglicher RAM-Ausstattung von 100 K im Ostblock aufgetaucht ist und in Forschung und Produktion zum Einsatz kam. Ob die Umgehung der Ausfuhrbeschränkungen ins sozialistische Ausland im großen Stil geschah oder nur vereinzelt, lässt sich nicht mehr seriös prüfen.



Das Mega-Projekt: Letztes Aufbäumen

1987 angekündigt, 1988 im Frühjahr präsentiert, das sollte der große Sprung in die Zukunft sein, basierend auf dem Motorola 68000 einem neuem Gehäuse und abgesetzter Tastatur. Der Markt entwickelte sich so schnell dann ein größerer Wurf versucht wurde. Ende 1988 sollte er nun wirklich kommen, der ABCD Mega², sogar mit 68020-CPU, gleich 2 MB RAM und 256 K ROM. Eine abgesetzte Tastatur mit nun 92 Tasten. Erweiterungs-Schächte, ISA-Steckplätze. Zwei Diskettenlaufwerke eingebaut, Festplatte nachrüstbar. Der Rechner wurde in einer Kleinserie gebaut, schließlich gab es noch einige Fans und der PC hatte damals noch nicht endgültig den Markt gewonnen. Ein Professor der Universität Heidelberg wollte eine Großbestellung aufgeben, dazu kam es nicht mehr. Heute gibt es fast nur noch niedrig aufgelöste Scans von Fotos, die den ABCD Mega² im eingeschalteten Zustand zeigen. Ein User der sich "Raff" nennt, besitzt privat das letzte funktionierende Exemplar und als einziges Spiel den Flugzeug-Simulator, der durch einen Pixel-Offset-Trick zumindest vertikal grafisches Antialiasing bietet.

Im Jahr vor dem Mauerfall, jedenfalls berichten das apokryphische Erzählungen, wurde eine auf Secam umgestellte E- oder EII-Version von der DDR importiert, doch für den Normalbürger war der Kauf nicht möglich, die Rechner wurden direkt für Privilegierte abgezweigt. Geplant war angeblich noch eine abgespeckte Version mit Folientastatur, der dann wirklich auch für Normalbürger theoretisch kaufbar sein sollte, für Ostmark – aber dann kam die Wende und somit die Schwemme an Atari- und C64-Importen.

Der NA und der 164-er wurde deutschlandweit abverkauft, 1991 waren die Lager leer. Die ABC-Rechner GmbH wurde aufgelöst. Manuel kaufte sich einen PC. Anton wechselte vom Computer-Geschäft zu Ghettoblastern mit CD-Laufwerk und Bjarn schrieb noch eine 80286/287-Softwarebibliothek für Matrizenrechnung mit komplexen Zahlen und lebt heute mit Frau – und Hund – an einem See in Bayern.

Für die Leute die keinen ABCD hatten, welchen 8-Bit-Homecomputer hattet ihr?